Menschen in Gefahr?

Menschen in Gefahr?

Die Sicherheit des Menschen steht immer an erster Stelle!

Übergriffe durch Wölfe auf Menschen

In der Vergangenheit hat es in verschiedenen Ländern in seltenen Fällen Nahbegegnungen zwischen Wolf und Mensch und auch Übergriffe von wildlebenden Wölfen auf Menschen gegeben. Diese Fälle reichten von Wölfen, die sich an der Anwesenheit des Menschen nicht störten, bis hin zum Angriff auf Menschen. Von diesen Übergriffen berichten im Wesentlichen 2 Studien, die beide im Jahr 2002 veröffentlicht wurden (siehe unten). Basierend auf den Verhaltensmustern der Wölfe, die in den Studien beleuchtet werden und den teilweise durch Menschen geschaffenen Rahmenbedingungen, erscheint das Risiko einer Wolfsattacke in Europa (und Nordamerika) in der heutigen Zeit äusserst gering. Im Jahr 2021 veröffentlichte das NINA-Institut eine Ergänzungsstudie für den Zeitraum 2000 bis 2020.

Trotz der geringen Wahrscheinlichkeit von Wolfsangriffen auf Menschen ist das Risiko aber nicht gleich Null. Daher sollten entsprechende Maßnahmen feststehen, bevor es zu solchen Ereignissen kommt, in der Hoffnung, diese nie gebrauchen zu müssen. Diese Maßnahmen müssen einerseits Bestandteil von offiziellen Wolfsmanagementplänen sein. Andererseits müssen die besagten Maßnahmen jedoch als konkret und detailliert beschriebene Aktionspläne „in der Schublade“ der zuständigen Behörde liegen. Die Absicht sollte sein, jederzeit definierte Rollen und Personen zu aktivieren, um die Managementmaßnahmen umgehend realisieren zu können.

Zeigt sich ein Wolf erstmals auffällig, sollte in einem zu eröffnenden Protokoll (Liste) alles über ihn dokumentiert werden, um ggf. ein Muster erkennen und um ihn beurteilen zu können. In Folge dessen muss dann entschieden werden, welche Managementmaßnahmen ergriffen werden sollen, wie z.B. eine Besenderung des Wolfes, die Umsetzung von Vergrämungsmaßnahmen, die Entnahme des Tieres aus der Natur, etc. Zu jedem Zeitpunkt ist es von hoher Wichtigkeit die Bevölkerung über einen solchen Wolf transparent zu informieren und auf dem Laufenden zu halten.

Vorabzusammenfassung für das geografische Europa

Studien im Überblick

Angriffe auf Menschen im Überblick / Aus der „NINA Update“-Studie, Seite 25:

In der Zeit 2002 – 2020 kam es weltweit (Europa, Asien & Nordamerika) zu 489 Wolfsangriffen auf Menschen. Davon endeten 26 Angriffe tödlich. Mit Blick auf das geografische Europa (inkl. Nicht-EU-Staaten: Kosovo, Nordmazedonien, Ukraine und Belarus) gab es insgesamt 77 Wolfsangriffe. Dabei kamen 0 Menschen ums Leben.

Die 489 Wolfsangriffe gliedern sich auf in:

  • 380 Angriffe durch an Tollwut erkrankte Wölfe (14 Menschen starben)
  •  67 prädatorische Angriffe (9 Menschen starben)
  •  42 Angriffe aufgrund provozierter/sich verteidigender Wölfe (3 Menschen starben)

Die folgenden 3 Tabellen bieten detaillierten Aufschluss.

Gebiet 2002 – 2020
  Summe aller Angriffe Summe getötete Menschen
Angriffe durch an Tollwut erkrankte Wölfe
Kroatien 1 0
Ukraine 57 0
Belarus 9 0
Rep. Moldau 2 0
Europa, total 69 0
Türkei 103 9
Indien 92 4
Kasachstan 2 1
Russland 20 0
Mongolei 2 0
Iran 52 0
Iraq 4 0
Armenien 5 0
Aserbaidschan 16 0
Kirgisistan 9 0
Israel 6 0
Asien, total 311 14
Nordamerika, total 0 0
3 Kontinente, total 380 14
Gebiet

2002 – 2020

 

Summe aller Angriffe

Summe getötete Menschen

Prädatorische Angriffe durch Wölfe
Polen

4

0
Italien 1 0
Kosovo 1 0
Europa, total 6 0
Iran 42 6
Israel 10 0
Indien 1 0
Kirgisistan 1 0
Tadschikistan 1 1
Asien, total 55 7
Kanada 4 1
USA 2 1
Nordamerika, total 6 2
3 Kontinente, total 67 9
Gebiet

2002 – 2020

 

Summe aller Angriffe

Summe getötete Menschen

Angriffe durch provozierte; sich verteidigende Wölfe
Ukraine

1

0

Nordmazedonien

1

0

Europa, total

2

0

Iran

17

0

Kirgisistan

3

0

Kasachstan

2

0

Russland

3

0

Saudi-Arabien

1

0

Türkei

14

3

Asien, total

40

3

Nordamerika, total

0

0

3 Kontinente, total

42

3

Angriffe auf Menschen im Überblick / Aus der „NINA“-Studie, Seite 40:

In der Zeit 1950 – 2000 kam es zu 4 nicht durch die Tollwut und zu 5 durch die Tollwut motivierte tödlichen Angriffe auf Menschen in Europa. Insgesamt kam es in dieser Zeit allerdings zu 50 Übergriffen. Vom 18. Jahrhundert bis zum Jahr 2000 kam es in Europa zu ca. 3.013 Übergriffen, von denen ca. 1.603 tödliche Folgen für Menschen hatten. Von den 3.013 Übergriffen waren ca. 1.430 Übergriffe (mit mind. 600 Todesfolgen) durch an Tollwut erkranke Wölfe verursacht.

Die folgenden 4 Tabellen bieten detaillierten Aufschluss.

Was passierte bei den europäischen Wolfsangriffen

mit Todesfolge im Zeitraum von 1950 bis 2020?

Lettland: 3 Tote

„Mitte 1950er Jahre: eine Melkerin wurde von einem tollwütigen Wolf in den Kopf gebissen. Sie suchte keinerlei Tollwut-Nachbehandlung auf und starb an der Tollwut.“

„1979: Innerhalb eines Tages attakierte ein tollewütiger Wolf 7 Menschen, wobei ein Mensch direkt an den Wunden starb. Die anderen erhielten eine Tollwut-Nachbehandlung und überlebten.“

„1985 oder 1986: Ein alter Forstarbeiter wurde von einem tollwutkranken Wolf gebissen. Obwohl er eine Tollwut-Nachbehandlung bekam, starb er 2 Wochen später. Es ist unklar, ob er an der Tollwut oder den Wunden starb.“

Estland: 1 Tote

„Seit 1980 gab es einige Berichte über tollwütige Wölfe, in einem Fall starb 1980 eine alte Frau an ihren Verletzungen, einige Menschen benötigten die Tollwut-Nachbehandlung.“

Slowakei: 1 Toter

„… und 1 Mann starb 1961 an Tollwut nach einem Wolfsbiss“

Spanien: 4 Tote

Vimianzo 1957-1959. In dieser Serie prädatorischer Übergriffe wurden 3 Kinder angegriffen, von denen 2 starben.

Die 1. Attacke fand am 25. Juli 1957 im Dorf Vilare in der Gemeinde Castrelo statt. 1 Wolf griff 2 5jährige Jungen an, die eine Straße entlangliefen. 1 Junge entkam, aber der Wolf tötete den anderen (Luiz Vazquez Perez), verfolgte anschließend den Flüchtenden und näherte sich einem 15jährigen Mädchen, bevor er von erwachsenen Personen verjagt wurde. Luiz Perez´s Leiche wurde 1 Stunde später im Gebüsch gefunden, mit Biss-Spuren an Kopf, Brust und Beinen. Augenzeugen glaubten, dass es sich bei dem Tier um eine Fähe handelte, sie gaben an, vergrößerte Zitzen gesehen zu haben.

Der 3. Angriff geschah im Dorf Trasufre am 21. Juni 1959. 1 Wolf griff 2 4jährige, ohne Aufsicht spielende Jungen an. Der Wolf biss Manuel Sar Pazos in den Rücken und verfolgte dann den 2. Jungen, bis ein Erwachsener den Wolf vertreiben konnte. Sar Pazos starb kurze Zeit später.

Im August desselben Jahres wurden in der Region zwei Wölfe erlegt. Es kam zu keinen weiteren Übergriffen.

Rante 1974. In dieser Serie von Übergriffen wurden 4 Personen attackiert, 2 davon kamen ums Leben.

 Am 4.Juli 1974 nahm 1 Wolf den am Feldrand liegenden 11 Monate alten Jose Tomas Martinez Perez auf, obwohl mehrere Erwachsene und ältere Kinder in der Nähe arbeiteten. Die Erwachsenen verfolgten den Wolf und fanden das sterbende Kind im Unterholz.

 Am 10. Juli 1974 riss 1 Wolf den 3jährigen Javier Iglesias Balbin von der Hand einer älteren Frau. Sie verfolgte den Wolf, doch er drohte ihr und floh mit dem Jungen. Seine Leiche wurde 250 m entfernt in einem Wäldchen gefunden. Die Augenzeugin erklärte, dass es sich bei dem Tier um eine laktierende Fähe mit deutlich sichtbarem Gesäuge gehandelt habe.

 Am 14. Juli wurde der Kadaver einer laktierenden Wölfin gefunden, die offensichtlich einen vergifteten Köder gefressen hatte. Die Übergriffe hatten im Umkreis von 6 km um ihre Wurfhöhle herum stattgefunden, in der Höhle fand man 2 Welpen. Im Kot um die Höhle herum entdeckte man Hühnerreste, und alle Angriffe waren in der Nähe von Hühnerfarmen geschehen. Die Wölfin war nicht tollwütig, aber stark von Parasiten befallen. Nach ihrem Tod kam es zu keinem weiteren Übergriff.

Wolf-Mensch-Begegnungen im Überblick / Aus der “McNay”-Studie:

Die folgende Tabelle bietet detaillierten Aufschluss.

1900-49 1950-2000 2001
1950-59 1960-69 1970-79 1980-89 1990-99 2000
Kategorie 1 Alaska (A) 3
   Agonismus Kanada 1 2 5 2
USA ohne A 1
Kategorie 2 Alaska (A) 1 1
   Prädation Kanada 1
USA ohne A
Kategorie 3 Alaska (A) 1 2 1
   Antesten auf Beute u. Kanada 1 1 1
   agonistische Angriffe USA ohne A 1
Kategorie 4 Alaska (A) 5 2
   Selbstverteidigung Kanada 1 1 3 1
USA ohne A 1
Kategorie 5 Alaska (A) 4 1
   Tollwut Kanada 1 1 3 2
USA ohne A
Kategorie 6 Alaska (A) 4 1 3 3 1
   Exploratives Suchen u. Kanada 4 1 2
   Plünderungsverhalten USA ohne A
Kategorie 7 Alaska (A) 3 3 1
   Exploratives Annähern Kanada 3
USA ohne A
1 1 13 14 25 15
Summen = 7 69 4

Wie soll man sich verhalten, wenn man auf einen Wolf trifft?

Wolfcenter Woelfe Zoo Wildpark Tiergehege Frank Fass Aggressiver Wolf angefüttert Habituiert Habituation

Der Unterschied der hier zuvor dargestellten Verhaltensregeln aus dem Jahr 2015 im Vergleich zu denen aus dem Jahr 2002, ist zu erkennen, dass folgende Sätze nach dem Jahr 2002 hinzugefügt wurden:

  • Es ist wichtig, Lebensmittel und Kochutensilien sicher zu verstauen, wenn das Camp unbesetzt ist, auch während des Tages.
  • Campe nicht in der Nähe von Kadavern. Wölfe werden wahrscheinlich davon fressen und ihre natürliche Nahrungsquelle verteidigen.
  • Nähere Dich niemals Wölfen. Dieses Verhalten wird dazu führen, dass Wölfe sich an Menschen und ihren Geruch gewöhnen.
  • Bedenke, dass Du in dieser Umwelt Gast bist. Dies ist die Heimat der Tiere, die hier leben.
  • Lass ihn (den Wolf) nicht näher als 100m herankommen.
  • Nutze Pfefferspray, falls Du eines besitzt und mit seinem Umgang vertraut bist. Bedenke die Reichweite und Nutzungsvoraussetzungen für das Produkt, dass Du benutzt.