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Pressemitteilung vom 20.06.2023: Eine Frage des politischen Willens – Herdenschutz auf Deichen

Im fünften Interview der Serie zum Thema Koexistenz mit dem Wolf geht es um effektiven Herdenschutz auf den Deichen Nordwestdeutschlands. Mit welchen Mitteln im Rahmen des gesetzlichen Regelwerks Schäfer ihre Herden auf Binnen- wie auf Nordseedeichen rundum schützen können erläutert der Inhaber des Wolfcenter Dörverden in Niedersachsen Frank Fass. Die Fragen stellt die Publizistin Connie Voigt.

Voigt: Es lässt sich in der norddeutschen Region häufig vernehmen, dass Schafherden besonders auf Deichen Wolfsangriffen schutzlos ausgeliefert sind. Gibt es dafür eine realistische Erklärung?

Fass: Ich habe den Eindruck, dass der Deich als wichtiger Hochwasserschutzbau und Weidefläche bei manchen als Vorwand genommen wird, Ängste in der Bevölkerung zu schüren und die Stimmung gegen Wölfe aufzuheizen. Auch höre ich von Forderungen nach Wolfsverbotszonen. Was sind die realen Probleme und was sind die angeführten Probleme? Das möchte ich hier mal genauer betrachten.

Auf welche Faktoren beziehen Sie sich?

Es geht um drei Aspekte:

Erstens, die Entwässerungswirtschaft in Nordwestdeutschland. Bei übermäßigen Niederschlägen wird der Überschuss an Wasser in ein Geflecht von Gräben abgeführt. Diese Gräben münden irgendwann in Kanäle und dann in kleine und später größere Flüsse. Früher oder später gelangen die überschüssigen Wassermengen in die Nordsee.

Zweitens unterscheiden wir Deiche. Wir haben insgesamt eine Länge von ca. 600km Nordseedeich und etwa 400km Binnendeich, von denen fallen etwa 250km auf das Leda-Jümme-Gebiet in Ostfriesland. Und drittens, haben wir unterschiedliche Gewässerkategorien nach Gewässertyp I bis III im Kontext des Hochwasserschutzes und der Binnenschifffahrt.

Inwiefern haben Gewässertypkategorien, Entwässerungssysteme und Binnen- bzw. Nordseedeich-Abschnitte Relevanz für das Thema Herdenschutz auf Deichen?

Nehmen wir für Binnendeiche exemplarisch die Region um Dörverden im Landkreis Verden mit den Flüssen Weser und Aller zur Veranschaulichung. Beide Flüsse führen Wasser ab. Die Aller mündet bei Verden in die Weser und die Weser in die Nordsee. Die Aller als Kategorie II-Gewässer ist beiderseits von Deichen umgeben, die allerdings im Abstand zum Fluss variieren. Dadurch entsteht von Zeit zu Zeit ein Überschwemmungsgebiet zwischen Fluss und Deichabschnitt. Hier erlaubt man dem Fluss über die Ufer zu treten und Felder unter Wasser zu setzen, das dann sukzessive wieder abfließt. Um einer Unterspülung standzuhalten, müssen Deiche regelmäßig durch Schafe festgetreten werden. Jahr für Jahr haben die Schafe in den Sommermonaten im Win-Win-Prinzip die Aufgabe den Deich abzugrasen und damit ganz natürlich festzutreten, wobei die Grassohle bei jedem Auftreten fester wird. Zum Schutz der Schafe setzen Schäfer mobile Elektrolitzen- oder Elektronetzzäune ein, die sie nach Bedarf zum weiteren Abgrasen im nächsten Deichabschnitt umstellen können. Alle vier Seiten jeden Deichabschnitts werden eingezäunt, so dass die Schafe gezielt auf dem jeweiligen Deichabschnitt bleiben. Diese Hüte-Methode ist im Land Niedersachsen zudem eine anerkannte wolfsabweisende Schutzmaßnahme.

Gelten diese Schutzmaßnahmen auch für die Binnendeiche an der größeren Weser?

Bei der Weser als Kategorie I-Gewässer haben Schäfer an den Stellen ein großes Problem, wo keine Überschwemmungsgebiete vorgelagert sind. An den Stellen, wo die Weser direkt an dem Deich vorbeifließt, dürfen die Schäfer keine Elektronetzzäune direkt am Flussufer entlang spannen, denn der Wasserpegel der Weser kann relativ schnell dynamisch steigen. Ein solcher mobiler Zaun würde bei Hochwasser direkt von den Wasserströmen in den Fluss weggerissen werden und mit großer Wahrscheinlichkeit früher oder später in der Schraube eines Binnenschiffs oder in den Sieben von Schöpfwerken großen Schaden anrichten. Den Deichschäfern der Weserregion bleibt somit gesetzlich nur eine dreiseitige Einzäunung als Option, was die Schafe zwar zusammenhält und hütet, sie aber nicht vor potenziellen Wolfsübergriffen schützt, weil Wölfe wie Hunde gute Schwimmer sind. Bleibt also die Frage wie auch Ufer-nah eingezäunt werden darf. In einem Gespräch mit dem Schifffahrtsamt schlug man vor ein Forschungsprojekt zu initiieren.

Was steht hinter dem Projektvorschlag?

Man denkt über die dauerhafte Befestigung von stabilen Zaunpfosten entlang der Flussufer-Befestigung des Weserdeiches nach um die man bei Niedrigwasser einmalig Stahldrähte spannt und bei steigendem Pegel nicht mehr entfernen müsste. Dieser Vorschlag liegt seit 2018 in der Schublade, ist bereits veröffentlicht worden, ohne dass ein Verantwortlicher den Plan mal probeweise umsetzt. Diese Einzäunungsmethode würde es den Schafhaltern sehr viel einfacher machen und berechtigte Ängste nehmen.

Wie ist die Sachlage des Schafherdenschutzes an den Nordseedeichen?

Wir haben an den Deichen an der Nordseeküste variierende Bauinfrastruktur zu berücksichtigen mit verschiedenen Straßenführungen unterschiedener Distanz zum Deich sowie dem Meer zugewandt oder abgewandt. Das heißt die Platzierung von Weidetoren wird je nach Situation angepasst. Das Halten von Schafen mit dem natürlichen Festtreten für eine kontinuierliche Deichfestigkeit trägt maßgeblich zum Hochwasserschutz an der Nordsee bei. Maschinen könnten nicht so effektiv wie Schafe den Deichboden festigen. Das Problem ist jedoch, dass wir für Fußgänger Schwingtore, Weideroste und Übersteighilfen haben, die jeweils die Schafe davon abhalten den Deich zu verlassen.

Würden Wölfe Weideroste nicht auch meiden?

Es gibt bislang keine zuverlässigen Daten darüber ob Wölfe Weideroste überwinden. Wir haben hier im Wolfcenter einen Versuch mit unseren Wölfen gemacht wobei sich herausstellte, dass keiner von ihnen über diese Roste lief. Repräsentativ ist dieser Versuch aber nicht. Diese Methode sollte man für mehr Sicherheit öfters prüfen. Man kann aber auf jeden Fall von einem minimierten Risiko ausgehen. Schließlich geht es bei allen Herdenschutzmaßnahmen um die Reduktion von Übergriffwahrscheinlichkeiten. Eine in Deutschland so oft geforderte 100-prozentige Sicherheit wird bei allen Maßnahmen immer eine Illusion bleiben. Und mit diesem minimalen Restrisiko wird immer wieder von Wolfsgegnern politisierend Stimmung gemacht, anstatt sich die Optionen zum Übergriffschutz genauer anzuschauen und umzusetzen.

Mit welchen Methoden können Schafe auf den Nordseedeichen optimal geschützt werden?

Auf den Nordseedeichen werden die Schafe üblicherweise mit einem ca. 90-100cm Metallgeflecht-Knotenzaun eingezäunt. Sinnvoll wäre in vielen Deichabschnitten beispielsweise der zusätzliche, aber mobile und zeitlich begrenzte, Einsatz eines Elektronetzes, aber dann würden Deichbesucher abschnittsweise unten an der Straße entlang gehen müssen, was man den Gästen aber nicht zumuten möchte. Leider verharren Menschen oft in ihrer gewohnten Bequemlichkeit Bestehendes nicht ändern zu wollen. Vor nicht langer Zeit habe ich den Deichschutzverantwortlichen in Krummhörn bei Aurich in Ostfriesland beraten, der sich offen zeigte für Anpassungen trotz notwendiger Investitionen. Für solche Investitionen hat meiner Ansicht nach der Staat einzustehen. Schließlich geht es hier um unseren Küstenschutz. Und wenn Schafe erwiesenermaßen die besten Deichpfleger sind, dann sollte uns Deichschutz und Herdenschutz ein paar Millionen Euro Wert sein. Trotz dieser geschlossenen Logik fehlt den Entscheidern der Wille zum agieren. Oder vielleicht fehlen auch Leute an den Entscheider-Positionen, die anpacken und Probleme aktiv lösen wollen. Passivität schiebt nur Herausforderungen auf und hinterlässt Raum für haltlose Emotionen der von Demagogen zweckentfremdet gefüllt wird.

Läuft uns bei der demagogischen Rhetorik nicht die Zeit für konkrete Lösungen davon?

Das Bundesamt für Naturschutz BFN in Bonn wird demnächst eine Studie zum Deichherdenschutz veröffentlichen in der es genau um diese Problematik geht. Technisch betrachtet ist die Einrichtung von optimalem Schutz kein Hexenwerk, auch wenn es hier und da knifflige Situationen gibt, für die eine Lösung noch aussteht. Dennoch ist immer eine Lösung zu finden. An den Deichabschnitten, wo die Schäfer heute schon mit vierseitigem Elektronetz arbeiten, wird kein zusätzlicher Aufwand entstehen. Übrigens waren diese E-Netze auch in der Wolfsfreien Zeit vor der deutschen Wiedervereinigung schon lange Jahre für die Schafhaltung im Einsatz. Neu entstehende Kosten sollten nicht zu Lasten der Schäfer gehen, wenn sich diese um die Sicherheit ihrer Herden und um die Instandhaltung unserer Deiche kümmern. Hier hat der Staat voll und ganz die Verantwortung zu tragen; letztlich geht der Hochwasserschutz unser aller Sicherheit an.

Nimmt der Staat dementsprechend die Deichschäfer für die aktive Instandhaltung der Deiche in irgendeiner Weise in die Verpflichtung?

An der Niedersächsischen Küste haben wir 23 Hauptdeichverbände, mit denen Schäfer je in ihrer Region Verträge haben. Diese Verträge garantieren den Schäfern ein Deichweideterrain. Allerdings können Schäfer diese Verträge jederzeit kündigen sollten ihnen die Konditionen nicht mehr passen. Wenn beispielsweise die Verluste von Schafen aufgrund von Wolfrissen zu hoch werden, hat jeder Schäfer das Recht sein Terrain zu verlassen und den Vertrag einseitig zu beenden. Land und Bund stehen also vor der Entscheidung, die Schäfer mit Finanzierung für notwendigen Herdenschutzmaßnahmen zu unterstützen oder beim Geld für den effektiven Deichschutz zu sparen.

Gäbe es die Option im Abstand zu den Deichen wolfsfreie Zonen einzurichten?

Diese Idee wurde von mir bereits im Jahre 2012 angeregt. Sie ist aber auf EU-rechtlicher Basis nicht durchsetzbar. Insofern sind aktuelle Forderungen nach Wolfsverbotszonen in der niedersächsischen Nordseeküstenregion nicht realistisch. Wir brauchen deshalb fachliche Lösungen.

 

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TV Moderator Dirk Steffens besucht Cosmo & Luna

Ein echter Tierkenner!
TV Moderator und Journalist Dirk Steffens besucht unsere Wölfe Cosmo & Luna im WOLFCENTER
Im Rahmen einer Live-Schaltung in der RTL-Sendung “Punkt 12” füttert Dirk Steffens unsere beiden Wölfe und wirbt für die neue TV-Show “Die große GEO-Show – in 55 Fragen um die Welt”. Es ist deutlich spürbar, dass Dirk Steffens ein gutes Gefühl und Händchen für Tiere hat.
Wir drücken dem RTL-Team bestes Gelingen zum Auftakt der Show-Reihe “Die große GEO-Show – in 55 Fragen um die Welt” am 20.05.2023 um 20:15 Uhr!

 

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Neuzugänge im WOLFCENTER – Silberfüchse

Bei uns im WOLFCENTER Dörverden schlagen die Herzen höher, denn es gibt mal wieder tierische Neuzugänge. Unser vierbeiniges Mitarbeiterteam ist nun um 2 Silberfüchse erweitert. Über die Bezeichnung Silberfüchse lässt vielleicht rätseln, weil in Deutschland doch der Rotfuchs durch die heimische Natur streift. In der Tat sind die Silberfüchse jedoch „Kollegen“ in Bezug auf Rotfüchse und kommen heute noch im nördlichen Nordamerika und auch Nordost-Sibirien vor. Die beiden heute einjährigen Silberfüchse wurden im Wildfreigehege Nöttler Berg geboren und sind vor kurzem zu uns ins WOLFCENTER umgezogen. Mittlerweile haben sich die Beiden, die auf „Charly und Lucy“ getauft wurden, gut in ihrem neuen Zuhause eingelebt. Der Rüde und die Fähe sind gleichermaßen einiges neugierig unterwegs und erkunden ausgiebig die Hügelformationen im Gehege, ebenso wie die hölzernen Klettermöglichkeiten und die Wasserstelle. Wir sind sehr dankbar, dass wir unseren Besuchern nun eine weitere Caniden-Art präsentieren dürfen und hoffen, dass unsere Besucher sich von den kleinen Silberfüchsen entzücken lassen.

Selbstverständlich bleiben die Wölfe im Wolfcenter im Vordergrund und das nicht nur als Tiere, sondern auch als Thema.

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Pressemitteilung vom 28.04.2023: Wolf und Hund: eine facettenreiche Beziehung

Im vierten Interview der Serie zum Thema “Koexistenz mit dem Wolf” geht es um die Rolle von Herdenschutzhunden im Kontext effektiven Wolfsschutzes. Seit Beginn des Jahres mehren sich Medienberichte über gesichtete Wölfe und über den Effekt unzureichender oder fehlender Herdenschutzmaßnahmen. Was der Einsatz von gezielt gezüchteten Hunden für Herdenschutz bewirkt, erläutert der ausgebildete Hundetrainer und Inhaber des Wolfcenter Dörverden in Niedersachsen Frank Fass. Die Fragen stellt die Publizistin Connie Voigt.

 Voigt: Inwieweit sind Hunde mit Wölfen verwandt?

Fass: Gemäß wissenschaftlicher Erkenntnis ist der Wolf der Stammvater aller Hunde egal welcher Rasse. Der Wolf trägt eine genetische Variabilität in sich, auch wenn unsere heimischen Grauwölfe seit über hundert Jahren gleich aussehen. Wenn die Lebensbedingungen gleich bleiben variieren die Gene nicht sichtbar. Zu einer Bindung an die Menschen kam es vermutlich bereits vor tausenden von Jahren durch Anfütterung, Habituierung oder Adoption von Welpen. Wissenschaftliche Belege liegen dafür allerdings nicht vor. Ein Urhundetyp entwickelte sich mit der Nähe zu Menschen, die später den Nutzen als Wachhund oder für die Jagd gesehen haben könnten. Neuere archäologische Funde lassen auf eine 33’000 Jahre lange Entwicklung zu den zahlreichen unterschiedlichen Hunderassen von heute schließen.

 Wie stehen Hunde und Wölfe im Kräfteverhältnis zueinander?

Wenn wir uns die Entwicklungsgeschichte der Hunde vorstellen, müssen wir davon ausgehen, dass Menschen damals Hundetypen züchteten, die sich gegen ihren eigenen Stammvater stellten. Der Mensch hat es geschafft Verhaltensweisen und genetische Anlagen mancher Hunderassen derart zu modifizieren, dass sie zwecks Bejagung und sogar Tötung gezielt ihre Stammväter als Gegner betrachten. Ein Wolfsrudel zieht sich zurück, wenn eine Meute Hunde auf sie zukommt. Wenn aber ein Chihuahua allein durch den Wald spazieren geht kann es sein, dass sie ihn nie wieder sehen.

Kreuzen sich Hund und Wolf?

International vernetzt arbeitende Verhaltensforscher erstellten ein Ethnogramm zur Katalogisierung von zig Verhaltensweisen die ein Wolf zeigen kann. Die einzelnen Kategorien nennen die Forscher Funktionskreise wie den Stoffwechselbedingten Funktionskreis, Funktionskreis Schutz und Verteidigung, Ruhe und Schlaf, Sozialverhalten etc. Anhand dieser Funktionen kann man der möglichen Motivation nachgehen weshalb sich ein Wolf einem Hund nähert. Es gab beispielsweise Fälle einer Sex-interessierten Wolfsfähe die sich zwecks Fortpflanzung einen Haushund-Rüden angedeihen lassen hat.

Über welche Eigenschaften sollte ein Herdenschutzhund verfügen?

Ein Welpe oder ein Junghund sollte eine genetische Disposition zum Willen der Verteidigung haben. Der ideale Herdenschutzhund wächst während seiner Sozialisierungsphase unter Schafen auf und bekommt damit ein natürliches Gefühl der Zugehörigkeit zur Herde. Im Zuge seiner Pubertät entwickelt er sich mit der Disposition des Verteidigungswillens quasi zum Türsteher seiner Herde. Er entscheidet wer sich seinen Schafen – also seiner Familie – nähern darf. Diese angeborene Disposition muss von früh an mit regelmäßigem Training flankiert werden. Zentral bei der Ausbildung eines Herdenschutzhundes ist die so genannte mentale Erreichbarkeit, die es dem Schäfer später auf dem Feld ermöglicht einerseits effektive Kommandos geben zu können und andererseits dem Hund die eigen-initiativ aktive Schützer-Rolle zu übertragen. Ideal ist also immer auch eine enge Bindung zwischen Hund und Schäfer.

Würde ein gut trainierter Herdenschutzhund der an Schafe gewöhnt ist auch eine Kuh-Herde gut verteidigen?

Hunde mit ausgeprägt territorial motivierter Aggression können das. Ich habe einen von einem Fall in Brandenburg gesehen wo Schafherdenschutzhunde zum Schutz für Damwild in einem Damwild-Gehege eingesetzt wurden. Man beobachtete bei den Hunden kein Interesse an dem Wild. Die beiden Spezies koexistierten ohne sich gegenseitig zu stören. Sobald sich jedoch ein Wolf näherte verteidigten die Hunde aggressiv primär ihr neues eigenes Territorium, der Schutz des Damwilds wurde damit zur positiven Nebenerscheinung.

Welche Hunderassen eignen sich ideal als Herdenschutzhund?

Hier in Niedersachsen setzen wir oft den Pyrenäenberghund ein oder den Türkischen Kangal.

Wie kann man Hunde vor Wolfsangriffen schützen?

In Gebieten Osteuropas mit weitflächigen Schafsherden setzt man den Hunden teilweise spezielle Stahlhalsbänder mit nach außen gerichteten Stahlstacheln an, zum Schutz vor Wölfen und auch vor möglichen Angriffen von Bären. In russischen Regionen kupiert man den Hunden zudem die Ohren um weitere Angriffsmöglichkeit zum Festbeißen zu reduzieren. In Deutschland ist diese Praxis aus meiner Sicht eher unnötig da man Herdenschutzzäune hat.

Würden diese Stahlstachelhalsbänder für Hundehalter Sinn machen die gerne in Wäldern laufen?

Nein. Hunde müssen sich abrufen lassen können, was meiner Meinung nach verpflichtend ist. Hunde die an der Leine geführt werden, sind durch den Schutz des Menschen, den der Wolf normalerweise meidet, sowieso nicht in Gefahr. Es obliegt den Hundehaltern ihre Hunde auf den Wegen zu halten, alles andere kann auch als Hetzjagd auf Wildtiere wie Hasen oder Rehe verstanden werden, zu deren natürlichem Lebensraum der Wald und die Feldflur zählt.

Was kostet das Halten eines Herdenschutzhundes inklusive aller wiederkehrenden Kosten pro Jahr?

Wir haben einmalige Kosten von ein paar tausend Euro für die Anschaffung des Tieres, dazu die regelmäßigen Futterkosten, die Haftpflichtversicherung, Tierarztkosten für Impfungen, Wurmbehandlungen und sonstige Krankheiten – geschätzt sind das zusammen 600-800 Euro. Wenn Schäfer im Erwerbsbereich beispielsweise 6 Herden haben bräuchten sie theoretisch 18 Herdenschutzhunde. Diese Berufsgruppe der Schäfer braucht meiner Ansicht nach dringend finanzielle Unterstützung seitens der Länder. Bisher wird nur die Anschaffung bezuschusst aber seitdem sind die Anschaffungspreise in die Höhe geschossen. Die Berufsschäfer bevorzugen deshalb die finanzielle Unterstützung für ihre laufenden Kosten. Manchmal gibt es Projekte in Wolfsschutzvereinen die lokal Schäfer unterstützt haben aber wir brauchen eine systematische Lösung und die kann nur vom Staat kommen.

Welches Verhalten eines Herdenschutzhundes ist ungünstig zur Abschreckung von Wölfen?

Menschlich formuliert schadet eine gewisse Coolness nicht. Wenn sich aber Gefahr von außen nähert, sollte sich der Hund imponierend zeigen, Ohren nach vorne gerichtet, Schwanz aufgestellt, Körper angespannt und er bellt dabei, denn Wölfe meiden meistens diesen Konflikt. Sobald sich der Wolf entfernt hat, sollte sich der Hund auch schnell wieder beruhigen. Hört der Hund nicht auf zu bellen obwohl der Wolf seit 15 Minuten nicht mehr in Sichtweite ist wäre das eher ein unerwünschtes Verhalten, weil es dann auch eine Lärmbelästigung darstellt sofern eine Schafherde in Ortsnähe grast. Wenn Hunde eine Herde auf Deichen schützen kann es passieren, dass sich einzelne Hunde eine Grube graben, um es sich gemütlich zu machen und sich vor Wind zu schützen. In dem Fall muss man evaluieren ob der Hund tatsächlich weiterhin am Deich einsetzbar ist.

Gibt es rechtliche Vorgaben beim Halten von Herdenschutzhunden?

Es ist nicht zulässig Herdenschutzhunde zu einer Schafherdeherde zu stellen ohne parallel auch alle Nutztiere dabei wolfsabweisend einzuzäunen. Ich setzte mich für eine einfachere Einzäunung der Herden mit Hunden ein, um des den Schäfern leichter zu machen. Selbstverständlich darf dann jedoch kein fremder Hund auf die Weide kommen. Das würden gute Herdenschutzhunde nicht tolerieren, weil sie ja schließlich auch keine Wölfe auf der Weide an der Herde dulden sollen.

In unserer fünften dieser monatlichen Interviewfolge wird Herdenschutz auf Deichen betrachtet.

Wolfcenter Woelfe Zoo Wildpark Tiergehege Frank Fass Verhaltensauffälligkeit Aggression Habituiert Tollwut

Pressemitteilung vom 28.03.2023: Menschen in Lebensgefahr?

Im dritten Interview der Serie zum Thema Koexistenz mit dem Wolf geht es um die Frage in welchen Situationen Wölfe eine konkrete Lebensbedrohung für Menschen darstellen können und wie wahrscheinlich diese sind. Dieses Frühjahr gab es im Landkreis Rotenburg eine Begegnung zwischen drei Wölfen und einer Frau auf dem E-Bike. Sie entkam den Tieren. Welche Verhaltensweisen anzuraten sind und wie Wölfe ticken, erläutert der Inhaber des Wolfcenter Dörverden in Niedersachsen, Frank Fass.

Die Fragen stellt Connie Voigt.

Voigt: Wie ordnen Sie die Begegnung kürzlich im Landkreis Rotenburg ein? Wie hat sich die Frau verhalten?

Fass: Nach meiner Kenntnis fuhr sie mit dem E-Bike auf einem Radweg entlang einer Landstraße in zunächst übersichtlicher Umgebung. Dann zweigte sich der Radweg in ein Waldstück ab, wo die Frau auf drei Wölfe traf. Sie hielt an, drehte um und beschleunigte mit dem E-Bike um sich schnell von den Wölfen zu entfernen. Die Wölfe folgten ihr aber rasch was wiederum Angst bei der Frau auslöste. Als sie in die Nähe eines Wohnhauses kam hielt sie an und schrie die Wölfe an. Zeitgleich kam ein Auto hinzu und der Fahrer hupte. Die Wölfe entfernten sich daraufhin.

Hat sie sich falsch verhalten?

Meiner Ansicht nach hat die Flucht auf dem Rad die Wölfe in einen Verfolgungsmodus versetzt, so dass sie ihr bis auf wenige Meter näherkamen. Aber ich kann natürlich die Angst der Frau vollständig verstehen. Der Vorgang sollte im Wolfsmonitoring unbedingt aufgezeichnet werden um das Verhalten dieser drei Wölfe genauer beobachten zu können. Sollte sich mithilfe dieses Monitoring zeigen, dass sich erneut Situationen dieser Art in der Region stellen, dann stellt sich die Frage, ob regional vielleicht etwas passiert ist was die Wölfe zu diesem Verhalten veranlasst. Engmaschiges Wolfsmonitoring durch Meldungen aus der Bevölkerung vor Ort, aber auch aktives Wolfsmonitoring seitens der zuständigen Behörde ist wesentlich, um dann unter Umständen notwendige Maßnahmen ergreifen zu können.

Welche Art Übergriffe von Wölfen auf Menschen gab es in der Region bis heute?

In Deutschland gab es bisher keine konkret bekannt gewordenen Angriffe. Im geografischen Europa hat es von 1950 bis 2020 nachweislich 127 Übergriffe gegeben; von diesen waren 107 Übergriffe durch Tollwut ausgelöst. Die anderen 20 basierten auf durch Menschen angepassten Habitus – sie wurden mutmaßlich zuvor angefüttert so dass eine Nähe zum Menschen mit einem fordernden Suchverhalten nach Nahrung verbunden wurde. Aber es gab auch sehr seltene prädatorische Übergriffe auf Menschen, wo seltenes Beutefangverhalten gegenüber Menschen erkennbar war. In diesem gesamten Zeitraum der insgesamt 127 Übergriffe erlagen neun Menschen ihren Verletzungen, vier davon waren Kinder.

Sind Übergriffe grundsätzlich potenziell lebensbedrohlich, bzw. dienen Menschen dem Wolf als Nahrungsmittel wie beispielsweise Schafe?

Menschen zählen eigentlich nicht zum Beutespektrum des Wolfes. Bei den vereinzelten prädatorischen Fällen in Europa wurde immer nur ein einzelner Wolf beobachtet, kein Rudel. Als bekannte seltene Ausnahme gilt ein Fall in den USA 2010 wo ein tödlicher Angriff eines Rudels auf eine damals 32 Jahre junge Frau in Alaska gemeldet wurde. Als Rudel definieren wir grundsätzlich eine Familie mit Eltern und dem Nachwuchs, der mitläuft.

Wie kann man mit dieser Erkenntnis die drei Wölfe bei Rotenburg einstufen?

Im Moment besteht der Verdacht, dass es drei Jungwölfe auf Erkundungstour waren was aber an der Tatsache der Begegnung nichts ändert. Festgestellt wurde bisher auch, dass es in der Vergangenheit andere Nahbegegnungen in den Monaten Januar bis März in Niedersachsen gab. Anscheinend sind oder waren Jungwölfe bzw. Welpen allein unterwegs.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dass es sich um einen Tollwut-bedingten Übergriff handelte?

Nach meiner Information gingen die bisherigen 107 Tollwutfälle ausschließlich von Einzeltieren aus, also eher unwahrscheinlich. Ferner hat es seit der Ausbreitung der Wölfe in Deutschland keinen tollwutkranken Wolf gegeben.

Was zählt zum provozierten menschlichen Verhalten ?

Zu provoziertem Verhalten gehört beispielsweise die Plünderung vom Wolfsbau. Eine Wölfin vergisst nicht wenn Menschen ihre Welpen verschwinden lassen.

Das klingt so als wenn sie sich in so einem Fall für den Verlust rächen würde… haben Wölfe die psychische Fähigkeit Rache zu nehmen?

Ich glaube diese von Emotionen geleitete Fähigkeit ist bei Wölfen nicht zu nachzuweisen. Aber ein Wolf oder ein Hund vergisst kein ihm gegenüber feindseliges Verhalten von Menschen. Sein Instinkt lässt ihn folglich auf Distanz gehen oder er wird zum defensiven Angreifer.

Weshalb weist ein tollwutkranker Wolf aggressives Verhalten auf?

Zunächst möchte ich skizzieren wie diese Krankheit über Bisse übertragen wird. Eine Bisswunde an sich kann schnell heilen. Aber der Tollwutvirus sitzt im Speichel des beißenden angreifenden Wolfes und dringt in die Wunde des gebissenen Wolfes ein. Der Tollwutvirus findet dann im Körper innerhalb von wenigen Wochen seinen Weg zum Gehirn des Opfers; das ist die Zeitspanne von der Infektion bis zum Tod. Die Zerstörung des Gehirns verursacht den Tod. Es gibt ein kurzes Zeitfenster von zwei bis drei Tagen im kranken Leben dieses infizierten Tieres das wir die „rasende Wut“ nennen. In der Zeit läuft das Tier völlig desorientiert und aggressiv umher, und beißt in alles hinein was er findet, das können herunter gefallende Äste sein, wie auch jegliche Lebewesen. Der Grund dafür ist dass sich der Virus durch dieses wilde Bissverhalten neue Träger sucht.

Könnte man zum Schutz der Wölfe und letztlich der Menschen den Tieren Impfstoffe verabreichen?

Unter Füchsen verzeichneten wir in der Vergangenheit mehr als 10’000 Tollwutinfektionen pro Jahr in Deutschland. Daraufhin hatte man eine intensive Bejagung vollzogen, was aber die Krankheit nicht ausrottete. Wissenschaftler haben später den Tübinger Tollwutimpfköder in der Größe einer Streichholzschachtel entwickelt. Er wurde teils aus Flugzeugen großflächig verteilt, aber im Wesentlichen von Jägern in die Jagdreviere ausgebracht, mit dem Resultat, dass seit 2006 kein Fuchs mit Tollwut festgestellt wurde. Diese Methode könnte im Grunde auch für Wölfe adaptiert anwenden. Wir haben einen speziellen Geschmacksköder mit unseren Wölfen hier im Wolfcenter bereits mit Erfolg getestet.

Welche Verhaltensweisen bei der Begegnung mit einem Wolf sind anzuraten bei Menschen die leicht Panik bekommen?

Ideal wäre es stehen zu bleiben, nicht weg zu laufen oder zu fahren, ruhig zu bleiben, auch nicht sich abzuwenden oder sich klein zu machen, nicht anstarren, aber den Wolf im Blick behalten. Dann verlieren Wölfe ihr Interesse, vorausgesetzt es handelt sich um ein gesundes und auch nicht an den Menschen gewohntes Tier. Aber die menschlichen Reflexe sind individuell unterschiedlich und nicht leicht bewusst situativ steuerbar. Wenn es den Anschein hat, dass ein Wolf den Menschen nicht bemerkt, dann sollte man kurz auf sich aufmerksam machen um ihn zu warnen damit er fern bleibt.

Wie real gefährdet sind im Wald spielende Kinder die ihr Verhalten weniger bewusst kontrollieren können ?

Kinder sind nicht mehr oder weniger gefährdet als Erwachsene. Wenn aber von einer brisanten Nahbegegnung zwischen Wolf und Mensch berichtet wird, ergibt sich die Frage, ob es im Wolfsmonitoring in den Aufzeichnungen von Berichten bereits zuvor Auffälligkeiten ähnlicher Art und in derselben Region gab. Dazu ein Beispiel: In der Region Munster hat sich im Jahr 2015 ein Wolf immer wieder verschiedenen Menschen in der Landschaft gezeigt. Glücklicherweise meldeten diese Leute im Rahmen des Wolfsmonitoring ihre Begegnungen. Somit konnten die Behörden auf dieser Grundlage engmaschige Befragungen vor Ort durchführen mit der Erkenntnis dass es sich um den gleichen Wolf handelte der nachweislich angefüttert wurde. Menschen hatten also das Verhalten eines Wolfes unbewusst durch Anfütterung modifiziert.

Welche Maßnahmen wurden nach der Erkenntnis der Anfütterung ergriffen?

Erst besenderte man diesen Wolf und konnte somit seine Gewohnheiten beobachten. Dann versuchte man mit Vergrämung das Tier umzuerziehen, was aber keine langfristige Wirkung zur Folge hatte. Er näherte sich Menschen weiterhin ungewöhnlich nah, wie es erneut berichtet wurde und entschied sich letztlich für die Tötung des Wolfes. Wir hatten für diese Maßnahmen kein ausgebildetes Fachpersonal, dafür musste extra ein schwedischer Fachmann anreisen. Deshalb fordere ich ein Wolfsentnahme-Fachteam, das besendern, vergrämen, einfangen und bei Bedarf gezielt entnehmen kann.

Gibt es Anzeichen für eine zeitnahe Einführung eines Wolfsentnahme-Fachteams?

Man bevorzugt in der Politik die heimischen Jäger, die aber nicht dafür ausgebildet sind. Wenn wir bislang bei uns oder in den Nachbarländern keine bedrohlichen Übergriffe hatten heißt das nicht dass wir uns nicht auf eventuelle Übergriffe vorbereiten sollten.

Wie entstand der Mythos „böser Wolf“?

Eine römische Wölfin soll der Legende nach die ausgesetzten Knaben und späteren Gründer Roms Romulus und Remus gesäugt haben. Gemäß der nordischen Mythologie hatte der höchste germanische Gott Odin zwei Wölfe mit Namen Geri und Freki, heißt der Gierige und der Gefräßige. Diese beiden Legenden sind dem Wolf gegenüber positiv behaftet. Demgegenüber glaubten Leute lange Zeit dass sich Menschen in bösartige Werwölfe verwandeln können. Auch Märchen wie „Rotkäppchen und der Böse Wolf“ trugen zum schlechten Ruf bei wobei es hier ursprünglich darum geht junge Frauen vor bösen Männern zu warnen. Unsere Regionen waren früher von wilden Waldlandschaften geprägt bis der Mensch sesshaft wurde und Ackerbau betrieb mit steter Umnutzung der Wildnis in eine Kulturlandschaft. Zu Beginn dieser jahrhundertelangen Entwicklung hatten Bauern nur wenige Nutztiere für ihr Überleben, ohne Herdenschutz. Nach und nach verpflichtete der Adel die Bauern an der systematischen Ausrottung der Wölfe mitzuwirken. Die Tötung wurde somit zur Norm. Heute haben wir die besagten EU-Gesetze zum Schutz der Wölfe wie im ersten Interview beschrieben und in der Zukunft hoffentlich Wolfsentnahme-Fachteams.

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WOLFCENTER Dörverden startet am 15.03. in die Hauptsaison

Heute starten wir wieder in unsere Hauptsaison. Ab sofort sind die Öffnungszeiten wieder von Mittwoch bis Sonntag von jeweils 10 – 18 Uhr – in den Ferien zusätzlich auch dienstags und selbstverständlich auch am Ostermontag und Pfingstmontag. Frühstücksgäste können mit Voranmeldung bereits ab 9 Uhr im Restaurant WOLFSREVIER am reichhaltigen Buffet schlemmen und genießen. Wir freuen uns wieder darauf unseren vielen Besuchern mehrfach am Tag die beliebten Führungen und Schaufütterungen anbieten zu können. Auch die beiden großen multimedialen Dauerausstellungen laden zum Erkunden ein. Während draußen schon die Osterglocken sprießen, sind die Spielplätze freigegeben und auch die Streichelziegen freuen sich auf viele Besucher. Bei ersten warmen Sonnenstrahlen konnten sogar schon die Präriehunde gesichtet werden. Natürlich sind die Alpakas die heimlichen Stars 🙂 Ebenso freuen wir uns auch dieses Jahr wieder die beliebten Tages- und Abendveranstaltungen anbieten zu können: so ist der „Abend unter Wölfen“ ein großartiges Erlebnis, während fachlich interessierte gerne die vielseitigen Foto-Workshops und Wolfsseminare buchen. Übernachtungen sind wie gewohnt in den Zweibettzimmern und auch in den Tipis möglich. Die Baumhaushotels stehen direkt zwischen den Wolfsgehegen und ermöglichen somit draußen wunderschöne Abende – der Grillpavillon gestattet Grillen und Lagerfeuer und so manches Mal bei Wolfsgeheul.

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Pressemitteilung vom 27.02.2023: Effektiver Herdenschutz ist verpflichtend und kein Hexenwerk

Im zweiten Interview der Serie zum Thema Koexistenz mit dem Wolf geht es um verschiedene Methoden effektiver bislang zu wenig genutzter Herdenschutzmaßnahmen im Hinblick auf die Nutztierhaltung. Der Inhaber des Wolfcenter Dörverden in Niedersachsen, Frank Fass, fordert pro-aktive Beratungen bei den Nutztierhaltern vor Ort von Tür zu Tür, um Erwerbs- wie auch Hobby-Tierhalter über die vorhandenen Finanzierungsmöglichkeiten von bestmöglichen Schutzmaßnahmen zu informieren und zu beraten. Die Fragen stellt Dr. Connie Voigt, Beraterin mit internationalem Medienbackground.

Voigt: Wir konnten im Januar wiederholt Berichte in den Medien über das Pony von EU-Präsidentin von der Leyen lesen das von einem Wolf gerissen wurde. Offenbar gab es einiges Medieninteresse an den Debatten und Entscheidungsverläufen über eine Abschusserlaubnis des Wolfes. Wie lässt sich dieses mediale Interesse erklären? Und kann sich ein Pony nicht mit Hufschlag gegen einen Wolf wehren?

Fass: Wir unterscheiden bei der Nutztierhaltung zwischen den vier Nutztierkategorien Schafe und Ziegen, in Gehegen lebendes Wild – meistens Damwild-, Rinder und viertens je nach Stockmaß Pferde und Ponys. Bei jedem dieser vier Typen stellt sich die Frage nach der eigenen Wehrhaftigkeit. Ich glaube es ist leicht nachvollziehbar, dass Schafe und Ziegen einer Wolfsattacke unterlegen sind, zudem sind sie nicht schnell genug, um davon zu rennen. Damwild wäre durchaus schnell genug, um zu entkommen aber nicht, wenn in einem Gehege eingezäunt. Bei den auf der Weide stehenden Rindern der Mutterkuhhaltung und der Milchkuhhaltung sind letztere züchterisch auf Führigkeit und in gewisser Weise auf Wehrlosigkeit gezüchtet, um sie als Milchlieferanten leichter managen zu können. Dem gegenüber stehen Unterscheidungen bei Mutterkühen, die je nach ihrer jeweiligen Rasse im Verbund miteinander durchaus wehrhaft sein können. Aber hier macht natürlich auch die Altersklasse einen Unterschied. Unterschiede gibt es auch bei Pferden. Je nach Größe, Rasse und Temperament wäre ein ausgewachsenes Pferd eventuell in der Lage sich gegen einen Wolf zu wehren, ein Shetlandpony hingegen hat keine Chance. Diese variierende Wehrhaftigkeit ist beim Thema Herdenschutz unbedingt zu beachten. Ich wünsche mir aufgrund dieser zahlreichen Abweichungen eine differenziertere Betrachtung in den Diskussionen und Entscheidungen im Umgang mit Wölfen.

Was bedeutet eine differenzierte Betrachtung in Bezug auf angewandte Maßnahmen im Herdenschutz?

Alle Schaf-, Ziegen- und Gehegewildhalter in Niedersachsen, egal ob auf Hobbybasis oder gewerblich motiviert, bekommen verschieden definierte Zäune hinsichtlich der Zaunmaterialien finanziell bezuschusst, um den wolfsabweisenden Schutz zu errichten. Das gilt bis heute für die Pferde- und Rinderhalter aber ohne weiteres nicht. Allerdings gilt, derjenige Pferde- oder Rinderhalter, der einen nachweislichen Wolfsübergriff zu beklagen hat, kann dann Präventionsmaßnahmen für den Zaunbau beantragen und dafür die Materialkosten bezuschussen lassen. Tierhalter von Schafen, Ziegen, Gehegewild, Pferden oder Rindern können für den Zaunbau bis zu 30.000 Euro pro Jahr erhalten. Die Frage ist aber auch ob wir die Landesregierung dafür gewinnen, dass man grundsätzlich im Bereich der Milchviehhaltung für Hof-nahe Zäune in direkter Nähe zum Hofviehstall finanzielle Unterstützung beantragen kann – ebenso für die Mutterkuhhaltung in der extensiven Weidehaltung. Die andere vulnerable Gruppe bei den Rindern sind die älteren Kälber und Färsen die häufig Hof-abseits stehen. Die können weiter in Gefahr sein, wenn nicht die Landesregierung die Aufgabe übernimmt neben meiner vorgeschlagenen Beratung auch konkret auf finanzielle Mittel hinzuweisen bzw. auch mehr Mittel zu lockern. Herdenschutzmaßnahmenberatung ist das Schlüsselwort und mit erfolgreicher, systematischer Beratung würde der politische Druck aus dem Thema verschwinden – es sei denn man will den Druck … Ich bin sehr für diese Förderung in der Zukunft. Zudem ergibt sich noch die Frage, ob man bei Pferdehaltern – egal ob gewerbliche oder Hobbyhalter – je nach Pferderasse ähnlich entscheidet. Ich meine, dass Halter von wehrlosen Kleinponys ebenfalls grundsätzlich Unterstützung beantragen können sollten.

Wie sieht die Unterstützung bei wiederholten Übergriffen in der Nachbarschaft aus, von denen wir auch oft lesen?

Mit Blick auf die Pferde- und Rinderhaltung können Nutztierhalter nur dann finanziell beim Zaunbau und in der Anschaffung von Herdenschutzhunden präventiv bezuschusst werden, wenn es im eignen Umkreis von 30 km in den letzten 12 Monaten mindestens 3 nachgewiesene Übergriffe durch Wölfe auf Pferde oder Rinder gab, wobei es drei Rinder bzw. drei Pferde gewesen sein müssen – Pferde- und Rinderhalter werden also voneinander getrennt beurteilt.

Im empfehle dringend allen Nutztierhaltern davon Gebrauch zu machen. Wenn man solide Festzäune aufstellt für Pferde und Rinder dann erfordert das einen Traktoreinsatz mit einer Ramme, die dicke Zaumpfosten in die Erde rammt. Der Maschinen- und Personaleinsatz wird in Niedersachsen jedoch nicht unterstützt, aber wenn ich doch bis zu 30.000 Euro Materialkosten unter Vorbehalt einer Plausibilitätsprüfung erhalten kann, dann würde ich als verantwortungsvoller Nutztierbesitzer davon Gebrauch machen, um meine Tiere zu schützen und künftige Wolfsangriffe deutlich zu minimieren. Berufsschäfer haben die Brisanz der Situation erkannt: sie fordern auch die Finanzierung von Zaunerrichtungseinsätzen und die stete Bezuschussung für den regulär nun höheren Arbeitsaufwand durch mehr Personaleinsatz. Völlig nachvollziehbar finde ich übrigens auch, dass diejenigen gewerblichen Nutztierhalter, die Herdenschutzhunde im Einsatz haben, die hochanteilige Bezuschussung von Hundefutterkosten von der Politik fordern, denn das ist der Hauptkostentreiber bezgl. solcher Hunde – jeden Tag.

Das klingt ja alles plausibel und logisch von behördlicher Seite durchdacht – weshalb ist dann weiterhin von Wolfsübergriffen auf Nutztiere zu hören?

Meiner Meinung nach haben wir ein großes Defizit in der Kommunikation über die potenziellen Gefahren festzustellen. Deshalb fordere ich, dass wir offiziell bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mindestens zehn Personen vollberuflich mit neuen Arbeitsplätzen einsetzen, die als kompetente geschulte aktive Berater für die Nutztierhalterschaft in allen vier Nutztierkategorien von Hof zu Hof, von Haustür zu Haustür ziehen. Das alles pro Gemeinde, pro Landkreis, pro kreisfreie Stadt, um die Art und Weise des Zaunbaus anzuschauen und der Frage nachzugehen, sind die Zäune wolfsabweisend – ja oder nein. Die Nutztierhalter müssen dringend gezielter darüber informiert werden, dass in ihrer Umgebung eventuell Wölfe leben – oder vielleicht mit der wachsenden Wolfspopulation mit Wahrscheinlichkeit leben werden. Deshalb ist der Check der Beschaffenheit der Zäune ausnahmslos für alle Halter so wichtig.

Seit wann und wie definiert man wolfsabweisenden Schutz?

In der wolfsfreien Zeit waren Nutztierhalter aus versicherungstechnischen Gründen immer schon dazu verpflichtet ihre Nutztiere hütesicher einzufrieden. Es ging primär darum sicherzustellen, dass Tiere die Weide, die Pferdekoppel oder den Deich nicht verlassen und unter Umständen z.B. auf die Bundesstraßen oder Autobahnen gelangen und damit folgenreiche schwere Unfälle produzieren. Also, Hütesicherheit war immer schon verpflichtend. Aber mit der Rückkehr der Wölfe in der Region ist der Nutztierhalter auch dazu verpflichtet sich darüber Gedanken zu machen, wie er Wölfe davon abhält auf Weiden oder in Wildgehege zu kommen. Das nennt man den „Wolfsabweisenden Schutz herstellen“. Das Land Niedersachsen unterscheidet dabei folgerichtig vom „wolfsabweisenden Grundschutz“ und vom „zumutbaren Herdenschutz“ als maximal geforderten Schutz. Diese differenzierte Betrachtungsweise hat sich scheinbar bis heute bei etlichen Nutztierhaltern noch nicht festgesetzt.

Welche wolfsabweisende Methode empfiehlt sich für welche Tierart am besten?

Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen dem fest eingebauten Zaun wie in der Rinder- und Pferdehaltung und dem mobilen Zaun. Mobile Zäune machen bei der Haltung von Schafen und Ziegen Sinn um gezielt wechselnd abgrasen zu lassen sowie auch geschützte Landschaften wie Heidelandschaften zu erhalten. Somit werden mobile Zäune tageweise umgesetzt. Häufig werden hier Elektronetzzäune angewendet. Davon abgesehen lassen sich die größten Nutztierflächenanteile Niedersachsens leicht einzäunen, und dafür brauchen wir wie schon gesagt mehr aktive Beratung, um die Nutztierhalter zu unterstützen. Bei der Hobby-Schafhaltung kann ich oft keine gesicherte Einzäunung feststellen. Die kommerziellen Schafhalter wissen häufig hingegen was zu tun ist.

Gibt es noch andere wolfsabweisende Optionen außer der Anbringung von Zäunen?

Wir wissen, dass alle Wölfe begnadete Zaununtergraber sind und dies vom Naturell deutlich ausgeprägter tun als über Zäune zu springen, die meisten Wölfe trauen sich nämlich nicht Zäune zu überwinden – das ist wichtig zu wissen! Das heißt wir müssen sehen wie wir einen Zaun-Untergrabeschutz bei sämtlichen Festzäunen etablieren oder nachrüsten. Dafür gibt es seitens der Länder verschiedene technische Definitionen, die finanziell gefördert werden können. Es gibt allerdings eine gute weitere Möglichkeit: die Steckbügel-Methode. Steckbügel kann man von einer Metallbauschlosserei einfach anfertigen lassen. Das ist zu einem U geformter Bewehrungsstahl der ein bestimmtes Längen- und Breitenmaß aufweisen muss und dann an der Unterkante des vorhandenen senkrechten überirdischen Zauns mit Minibagger ins Erdreich gedrückt wird.  Nachträglich kann man dadurch ein Gitter Stück für Stück im Erdreich installieren. Ich frage mich warum diese Methode immer noch nicht in Niedersachsen gefördert wird, andere Bundesländer probieren sich daran aus und fördern sie mittlerweile. Es sind noch nicht mal mehr Kosten damit verbunden. Administrativ muss in der „Richtlinie Wolf“ aber erst mal dieser neue Untergrabetyp neu beschrieben sein. Im Übrigen könnte die Steckbügel-Methode zusätzlich auch die Deiche abschnittsweise schützen. Auch die Vielzahl der Wildgehege kann man leicht damit nachrüsten sowie Festeinzäunungen von Schafen und Ziegen. Ich wundere mich zutiefst, dass das flächenmäßig zweitgrößte Bundesland, nämlich Niedersachsen noch nicht auf diese Lösung gekommen ist.

Wolfcenter Woelfe Zoo Wildpark Tiergehege Frank Fass Wolfsabschuss

Pressemitteilung vom 12.01.2023: Erübrigt Wolfsjagd den Herdenschutz?

Der Inhaber des Wolfcenter Dörverden in Niedersachsen, Frank Fass, Autor und Herausgeber des Buches „Wildlebende Wölfe“ beleuchtet in einer neuen monatlichen Serie rund um das Thema Koexistenz mit dem Wolf die kontroversen Facetten seiner Arbeit. Es geht dabei um die fachliche Einordnung einer häufig emotional geführten Debatte. Aspekte wie Gesellschaft, Politik, Ängste, EU-Gesetze, Quoten, Herdenschutzanlagen, Agrarverordnungen werden erörtert. Im ersten Teil dieser Serie geht es um das Thema Jagd und Wolfsschutzerhalt. Die Fragen stellt Dr. Connie Voigt, Beraterin mit internationalem Medienbackground.

Voigt: Die EU Kommission hat im November 2022 eine Resolution verabschiedet die eine Überprüfung des derzeitigen Schutzstatus für Wölfe von „streng geschützt“ auf „geschützt“ in den EU-Ländern ermöglicht. Wie stehen Sie zu einer eventuellen Herabsetzung auf den „geschützt“-Status?

Fass: Ich bin gespannt wie eine eventuelle Herabsetzung auf „geschützte Art“ rechtlich begründet werden kann. Denn der derzeitige Schutz innerhalb der EU basiert auf der Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Richtlinie von 1992. In dieser FFH-Richtlinie wird bereits unterschieden zwischen streng geschützten Arten (Anhang IV) – der Wolf in der BRD gehört dazu – und Arten von gemeinschaftlichem Interesse, deren Abschusserlaubnis Gegenstand von Verwaltungs-Maßnahmen sein kann (Anhang V). Länder wie Polen, die Slowakei und das Baltikum haben sich bei EU-Eintritt diesen so genannten Anhang V als Sonderregelung ausgehandelt. Deutschland wie beispielsweise auch die Niederlande oder Schweden sind per Gesetz dazu verpflichtet, Wölfe auf ihrem Hoheitsgebiet streng zu schützen, also dazu beizutragen, bedingungslos die Art zu erhalten. Dennoch beabsichtigt Schweden laut dem schwedischen Jagdverband 75 der dort ca. 460 wildlebenden Wölfe dieses Jahr zu entnehmen. Dieses Vorgehen stellt einen groben Verstoß gegen die FFH-Richtlinie dar, welches die schwedischen Politiker zu verantworten haben.

Was genau steht hinter der Sonderregelung dieses Anhang V?

Alle Bedingungen zur Bewertung des Erhaltungszustands der Wölfe müssen erfüllt sein, um einen Abschuss legal zu genehmigen. Erstens muss die Wolfspopulation als stabil eingestuft sein, zweitens muss die Population als genetisch gesund einstufbar sein, drittens muss der Lebensraum vorhanden sein und erhalten werden, und viertens, muss eine natürliche Mischung verschiedener Wolfspopulationen beobachtbar sein. In einem Artikel im Fachmagazin Natur und Landschaft von 2021 (Heft 1) wird für mehr wissenschaftliche Studien in regelmäßigen Abständen plädiert um eine bestmögliche Datenbasis für die Bewertung des Erhaltungszustands der Wolfspopulation zu erreichen. Hierzu zählen die AutorInnen des Artikels wissenschaftliche Untersuchungen zum genetischen Status und Austausch unter Rudeln, Altersstruktur und Mortalität, Hybridisierung sowie Habitat-Verfügbarkeit und Qualität der Lebensräume. Diesem Plädoyer kann ich mich nur anschließen. Um auf die EU-Ebene zurück zu kommen, stehen letztlich alle EU-Mitgliedstaaten in der Verpflichtung für einen günstigen Erhaltungszustand zu sorgen.

Deutschland hat sich diesen Sonderstatus nicht erhandelt, woran liegt das?

Das hat historische Gründe. Bis zur Wiedervereinigung waren Wölfe in der ehemaligen DDR und in ihren Nachbarstaaten zum Abschuss frei bis die erwähnte FFH-Richtlinie der EU 1992 in Kraft trat; und erst acht Jahre später im Jahre 2000 wurde per Wolfsmonitoring ein erstes niedergelassenes Wolfsrudel mit Territorium auf deutschem Boden bestätigt. 22 Jahre danach wiederum wurden amtlich 161 Wolfsrudel bestätigt, sowie 43 Paare und 21 Einzelwölfe, die sich territorial niedergelassen haben. Wir sprechen in Deutschland nun von einer bisher durchschnittlichen Territorien-Zuwachsrate von 31 Prozent.

Das klingt aber nach einem kräftigen Anstieg der deutschen Wolfspopulation…

Wenn wir mit einem Zuwachs-Multiplikator von 1,31 rechnen, der ja den 31 Prozent der Zuwachsrate entspricht, dann dürften wir in fünf Jahren, mit ca. viermal mehr Rudeln rechnen, genau kalkuliert mit 610 Rudelterritorien. Entscheidend für eine mögliche gesetzliche Herabstufung der Art auf „geschützt“ ist hier u.a. der Faktor der Erhaltung des Lebensraums. Ich beziehe mich im Folgenden auf Ergebnisse einer 2020 veröffentlichten Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) deren Daten für eine Habitat-Modellierung 2018 ausschließlich in Deutschland erhoben wurden: Demnach beläuft sich die Zahl potenzieller Territorien (bei einer Territoriengröße von 200 km2) auf einer Spanne von 700 und 1400, die grundsätzlich Platz für die entsprechende Anzahl von Rudeln bieten.

Die Spanne von 700 bis 1400 Wolfsterritorien scheint dann aber doch recht weit interpretierbar wenn es um Jagdrecht geht…

Bei der Angabe der Territorien der BfN-Studie handelt es sich keinesfalls um eine Zielgröße für eine deutschlandweite Wolfs-Bestandsentwicklung und deren Management. Vielmehr stellen die Ergebnisse das mögliche Potential der verfügbaren Wolfshabitate dar und unterstützen somit die Bundesländer bei der Planung und Anpassung ihres Wolfsmanagements. Hinzu kommt: sollte man in Deutschland die Wolfsjagd einführen, dann müsste zunächst der günstige Erhaltungszustand der Wölfe gemäß FFH erreicht sein und dauerhaft bleiben. Sollte es also im EU Parlament zu einer Abstimmung zur Aufweichung von Anhang IV – sprich Status „streng geschützt“ zu Anhang V Status „geschützt“ kommen, dann müssten sich alle 27 Mitgliedsstaaten im Einstimmigkeitsprinzip darauf einigen. Das ist derzeit aber nicht zu erkennen.

Könnte man eine Quote für das Jagen von Wölfen einführen?

Nehmen wir das Beispiel Slowakei, die den Status der Sonderregelung im Sinne von Anhang V des FFH hat. Dort wird Wolfsmonitoring betrieben. Anhand der daraus erhobenen Daten, die jedes Jahr variieren, wird eine jährlich neue Quote errechnet, die auch mal null Abschlüsse in einem Jahr bedeuten kann. Das wäre auch hier denkbar. Aber es wird immer darum gehen, dass der günstige Erhaltungszustand als Maß aller Dinge erhalten bleibt. Monitoring ist essentiell, um zu vermeiden, dass ein Land unter Umständen immer wieder zwischen dem Status streng geschützt und geschützt hin und her schwankt.

Was wäre der konkrete Nutzen einer Quote?

Nehmen wir mal an, dass bestens rechtlich fundiert und per Wolfsmonitoring errechnet jährlich ca. 10 Prozent der Wölfe in Deutschland wahllos – also egal welcher Wolf – abgeschossen würden. Welchen Vorteil brächte das? Wir würden dann feststellen, dass die Wolfspopulation weiterwächst und sich auf der Landkarte weiter ausdehnt. Der Prozess wäre lediglich verlangsamt vergleichbar mit einer Autoweiterfahrt bei angezogener Handbremse. In vielen Gesprächen mit Nutztierhaltern habe ich oft gehört, dass sich im Fall der Bejagung der Wölfe die Übergriffe auf Nutztiere deutlich reduzieren sollte. Dem wäre aber nicht so.

Zur Veranschaulichung folgendes Szenario: Angenommen es lebt ein zehnköpfiges Rudel Wölfe in der Region und dieses Rudel greift nachgewiesen immer wieder ungeschützte Schafherden an. Und gehen wir weiter davon aus, dass z.B. 10 Prozent der Wölfe per Quote entnommen werden dürfen, hieße also, es darf ein Wolf abgeschossen werden. Nach dem Abschuss werden wir aber weitere Übergriffe auf die ungeschützten Schafe durch die verbleibenden neun Wölfe feststellen. Sollte eines der Elterntiere dabei geschossen worden sein, werden wir beobachten können, dass in der Zukunft die entstandene Lücke im Elternpaar wieder durch einen zuwandernden Wolf geschlossen wird. Schlussendlich können wir es drehen wie wir wollen: es ist und bleibt von höchster Wichtigkeit, dass wir so schnell wie möglich bundesweit Herdenschutzmaßnahmen einführen.

Und was machen wir, wenn einzelne Problemwölfe diese Schutzmaßnahmen doch immer wieder überwinden?

Ich bin sehr dafür, dass wir umgehend auf Bundesländerebene sogenannte Wolfsentnahme-Fachteams etablieren – auch wenn es rechtlich für manche kompliziert erscheinen mag. Die Mitarbeitenden eines solchen Teams sollten die im Sinne des Wolfsmanagements getroffenen Entscheidungen zur letalen Entnahme einzelner problematischer Wölfe mit Blick auf die Nutztierhaltung durchführen. Natürlich würde ein solches Team auch die extrem selten auftretenden Wölfe vergrämen oder entfernen, die für Menschen gefährlich werden. Der wesentliche Vorteil einer solchen gezielten Entnahme ist, dass ein Fachteam bei jeder Entnahme dazulernt und effektiver wird. Meine Forderung für diese Teams stützt sich auf die Tatsache, dass im Land Niedersachsen bis heute keiner der zur letalen Entnahme definierten Wolfsindividuen erfolgreich getötet wurde. Es waren immer andere bzw. die falschen Wölfe (Welpen, Jährlinge) die von Jägern geschossen wurden. Die betroffenen Nutztierhalter hatten also gar nichts von wahllosen Entnahmen.

Was wäre die Rolle der Jäger bei Ihrer Forderung für Fachteams?

Ich begrüße es nach wie vor, dass die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes im Jahr 2020 „Umgang mit Wölfen“ den relevanten Behörden mehr Handlungsfreiraum zur Entnahme problematischer Wölfe in Bezug auf Nutztierhaltung ermöglicht. Das jedoch einzig und allein Jäger solche Wölfe entnehmen sollen funktioniert schlicht weg nicht. Tatsächlich unterstützen einige Jäger die Wolfsentnahme noch nicht mal, weil sie Anfeindungen aus der Bevölkerung ihrer unmittelbaren Umgebung befürchten. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die regionalen Jäger hervorragende Unterstützer für ein Wolfsentnahme-Fachteam wären und mit ihrer Ortskunde dazu beitragen, besagte einzelne Wölfe genauer und schneller zu orten. Natürlich wären solche Wolfsentnahme-Fachteams als Bestandteil des Artenschutzes auf Länderebene mit Kosten verbunden – so wie Artenschutz immer Steuergelder kostet. Niedersachsen stellt mit EU-Kofinanzierung beispielsweise jährlich ca. 8,1 Millionen Euro für den vertraglichen Artenschutz hinsichtlich arktischer Gänse zur Verfügung.

In Deutschland neigt die Gesellschaft schnell zu gegenseitiger Verunsicherung – wenn wir dann 2027/28 wie prognostiziert bei 610 Rudeln sind, kann man sich ausmalen, dass manche vielleicht die komplette Aufhebung des Schutzstatus fordern werden…

Dieses Szenario würde bedeuten, dass wir den Status von Wölfen mit Rehen gleichsetzen. Ich glaube da sind wir weit von entfernt. Aber die Einführung einer Quote dürfte mittelfristig zu erwarten sein.

Wir haben in der EU eine politische Polarisierung zwischen VertreterInnen konservativ-liberaler Parteien und den Grünen, die den Artenschutz frühzeitig gefährdet sehen. Was würden Sie den jeweiligen Parteien raten?

Philosophisch betrachtet, glaubt grundsätzlich jeder, der Blick durch die eigene Brille sei die Wirklichkeit. Die Wahrheit über die Wölfe kann aber mit Fakten und Zahlen belegt werden. So stellen wir durch das Wolfsmonitoring fest, wo es tatsächliche Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere gab. Wo gab es Tötungen von Nutztieren? Waren diese Nutztiere geschützt? Das ist für mich die Wahrheit, da wir hier konkret messen und Fakten liefern können. Trotzdem haben wir konservative oder liberale, sozialdemokratische und ökologisch-orientierte Betrachtungen dieser Fakten und es entsteht damit eine jeweils andere Bewertung der Lage. Ich persönlich spreche mich immer wieder dafür aus, sich auf die Datenlage zu stützen und ohne Emotionen zu bewerten. Und wenn es um Emotionen geht, fällt mir immer wieder die Lage von geschützten oder weniger geschützten Nutztieren ein. Da empfehle ich Politikern hinzuschauen, ob die Konzepte für den Schutz von Weidetieren genügend konkret ausgearbeitet sind, um die Übergriffwahrscheinlichkeit von Wölfen auf Nutztiere erheblich zu reduzieren. Dazu gehört auch eine sehr ausgeprägte Finanzierungsgrundlage über die Landeshaushalte.

Wir hören in letzter Zeit vermehrt von Übergriffen in Niedersachsen. Welche Handlungsempfehlungen haben Sie um dem entgegen zu gehen?

In der Tat haben wir in Niedersachsen einen Zuwachs von Wolfsterritorien zu verzeichnen und parallel dazu einen Zuwachs von Übergriffen mit dem Effekt von weniger starken bis starken lebensbedrohlichen Verletzungen bis hin zu Tötung. Und deshalb plädiere ich immer und immer wieder dafür prioritär den Schutz von Weidetieren professionell auszubauen, heißt vor allem auch das behördlich professionelle Beratungsangebot für die Nutztierhalter durch mehr Mitarbeitende zu erweitern. Schafe, Ziegen wie auch das so genannte Gehegewild – in Niedersachsen häufig Damwild in Gehegen zur Fleischproduktion – sind leichte Beute für den Wolf. Es existieren seit längerem bewährte Schutzkonzepte. Sogar jeder Hobbyhalter von Schafen kann beim Land Niedersachsen Gelder zum Umbau seiner Zaunanlagen beantragen, um wolfsabweisenden Grundschutz zu gewährleisten. Wir haben in Niedersachsen flächendeckend Tausende von Hobby-Schafhaltern die sehr viel intensiver auf diese Schutzmöglichkeiten hingewiesen werden sollten – mit Direktansprache auf den Weiden und Grundstücken.